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Und Angelos Stern leuchtete wieder

Donaukurier 03.08.2008

"Riedenburg (DK) Das hätte Angelo Di Lorenzo senior gefallen! Beim großen Fest auf dem von ihm im vergangenen Jahr, kurz vor seinem Tod gestifteten Spielplatz an der Riedenburger Uferstraße hatten am Samstagnachmittag zahlreiche Kinder und Eltern ihren Spaß.

Dabei sah es zuerst gar nicht nach einem großen Spielefest aus. Mit dem Himmel verdunkelten sich am Vormittag auch die Mienen der Organisatoren. Gerade, als Kinder-Unterhalter Fred M. und sein Team die tollsten Spielsachen aufbauten, öffnete der Himmel seine Schleusen. "Kommando zurück", hieß es nun erst einmal; und während diverse Spielgeräte und Hüpftiere wieder ins Auto gesperrt wurden, hatte Musiker Otti ganz schön Mühe, sein Keyboard samt Ausrüstung rechtzeitig ins Trockene zu schaffen.

Als dann Angelo Di Lorenzo, der zusammen mit seiner Mutter Erika zu dem Fest eingeladen hatte, nach kurzer Internet-Recherche verkündete, die Regenwahrscheinlichkeit liege für Riedenburg bei 85 Prozent, hatte der fürchterliche Schauer seinen Höhepunkt und die Stimmung ihren Tiefpunkt erreicht. Doch wenig später, fast wie ein kleines Wunder, wurde aus dem satten Regen ein leichtes Nieseln. Bald drangen erste Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke; und noch etwas später leuchtete der Himmel in schönstem Blau über dem Spielplatz, den Angelo senior den Kindern der Stadt vor einem Jahr geschenkt hatte.

Einfach war das damals nicht. Rund ein Jahr verging zwischen der Idee des Eisdielenbesitzers und ihrer Umsetzung. Dazwischen hatte Angelo senior einige bürokratische Hürden zu nehmen, bevor er den Kindern dann endlich den Spielplatz an der Uferstraße schenken durfte. Die große Einweihungsfeier im Sommer erlebte der Spender dann nicht mehr; er war kurz zuvor gestorben. Am Tag der Fete wäre er 68 Jahre alt geworden. Doch mit dem Spielplatz hat Angelo senior mehr hinterlassen als eine Rutsche und ein hölzernes Klettergerüst. Schon der Name "La Stella di Angelo" zeigt, dass mehr dahinter steckt. Denn das italienische Stella bedeutet Stern, der Spielplatz heißt also: Der Stern von Angelo. Stella ist aber auch der Name von Angelo juniors Tochter. Und noch symbolträchtiger wird es, wenn man weiß, dass das italienische Angelo zu Deutsch Engel bedeutet.

Diesen Doppelsinn mussten Angelo junior und seine Mutter Erika auch am Samstag mehrmals erklären. Denn viele Eltern und Kinder aus der Umgebung waren gekommen, um miteinander ein Fest zu feiern. Die Buben und Mädchen hatten angesichts des breiten Unterhaltungs-Programms fast schon Mühe, sich zu entscheiden. Da gab es eine Hüpfburg und einen Geschicklichkeits-Parcours, nach dessen Durchlaufen jedes Kind ein Geschenk erhielt; da gab es Popcorn und Gratis-Eis den ganzen Tag; da konnten die Kleinen auf Stelzen laufen oder Trampolin springen. Spendiert hat alles die Familie Di Lorenzo; nur für Essen und Getränke musste bezahlt werden. Während Otti für Live-Musik sorgte, ließen sich die Kinder zu lachenden Schmetterlingen, zahmen Raubtieren oder Nachwuchs-Piraten schminken. Mit dieser Aktion hatte sich der DONAUKURIER, dessen Redaktion direkt neben dem Spielplatz liegt, beteiligt. Im Vorjahr hatte der DK zur Einweihung des Spielplatzes eine Wipp-Ente spendiert.

Zur offiziellen Eröffnung des Spielplatzes im vergangenen Sommer waren übrigens – der kommunale Wahlkampf stand unmittelbar bevor – neben dem Bürgermeister ein Dutzend Stadträte erschienen. Am vergangenen Samstag schaute kaum einer der politischen Würdenträger vorbei. Eigentlich wollte die Familie Di Lorenzo das Fest heuer größer aufziehen und dafür einen Teil der Uferstraße sperren. "Aber der Bürgermeister hat uns signalisiert, wir sollen das erst gar nicht beantragen, weil es eh nicht genehmigt wird", berichtet Angelo Di Lorenzo.

Doch immerhin: Der Bauhof hatte in den Tagen vor dem Kinderfest die Perras-Wiese gemäht und auf Vordermann gebracht. Und die Erbengemeinschaft, der der nicht-städtische Teil des Areals gehört, hatte wieder die Erlaubnis erteilt, auch ihre Fläche für die Sause zu nutzen. So konnten die Buben und Mädchen nach Herzenslust herumtollen. "Sie haben Angelos Stern wieder zum Leuchten gebracht", freute sich sein Sohn. Die Erwachsenen stießen derweil mit Angelo seniors Lieblings-Prosecco auf einen gelungenen Tag an und erhoben ihr Glas auf ihn.

Von Tobias Zell"